Der Ozean des Lebens

Stellen wir uns vor, wir sind mit unserem Schiff auf dem Ozean unseres Lebens unterwegs. Ein kleiner Junge steht am Steuer und ist riesig stolz, dass dieses große Schiff seinen Bewegungen gehorcht. Er fühlt sich als Herr dieses Schiffs, weil er nicht weiss, was er beherrschen müßte, um wirklich Herr zu sein.

Da gibt es auch den Kapitän, der stets im Hintergrund bleibt, weil er weiss, dass der Junge nie steuern lernen wird, wenn er es nicht selbst ausprobiert und dadurch wirklich lernt, das Steuer zu beherrschen.

Der Kleine ahnt, dass er nicht allein ist - vergisst es aber auch immer wieder.

Es gibt da die unterschiedlichsten Geschichten über kleine Jungen am Steuer.

Zwei sind besonders auffallend

  • die einen vergessen, dass sie immer noch lernen mehr müssen, und gebärden sich als Herrn, bis sie eines Tages schmerzhaft erfahren, was sie wirklich sind. Wenn etwas schief geht, schimpfen auf das Schiff, den Sturm und die Leute am Hafen, die ihre Aufgabe nicht erfüllt hätten. Sie schimpfen auch auf Möwen, und wenn ihnen nichts besseres einfällt, auf Gespenster, die im Wasser auf ihre Opfer lauern. Sie merken nie, wie der Kapitän bei solchen Geschichten lächelt, bis er genug hat, und ihnen zeigt, was sie angestellt haben.

  • Die anderen merken meist, wo sie lernen müssen, und sind eher auf das Gelernte stolz als auf sich selbst. Sie vergessen nie zu fragen und weiter zu lernen und können das Steuer immer besser beherrschen. Manche von ihnen bewältigen dann schon richtige Stürme. Aber in diesen Stürmen erfahren sie jedes Mal ihre Grenze. Und sie begreifen, dass sie in den Momenten, wo sie versagt hätten, jemand da war, der ihnen beim Steuern geholfen hatte. Sie sind dankbar und stets bereit zu lernen und sie lernen auch, die Liebe zu spüren, mit der sie vom Herrn dieses Schiffs begleitet und geführt werden.

Egoisten leben gefährlich, weil sie sich all das, was nicht ihr Werk war und sein kann, sich selbst zuschreiben, nur weil es auf diesem Schiff passiert ist, auf dem sie an das Steuer gelassen worden sind.

Egoisten leben gefährlich, weil sie jedes Schweigen und jede Zurückhaltung als Zeichen ihrer Überlegenheit deuten.

Das Gefährliche an unserem Egoismus ist, dass wir nicht sehen wollen, welche Gefahren wir heraufbeschwören.

Es ist kein Zeichen unserer Macht, wenn Stürme an uns vorbeiziehen.


Benedikt Gresser

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